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Ein Psychothriller, der seinen Namen verdient - Camilla Grebe: WEnn das Eis bricht

ISBN: 978-3-442-75717-6

 Gleich mal vorne weg, das Buch war gut, richtig gut und ich habe die letzten Nächte durchgelesen.

Die Kriminalpsychologin Hanne hat eigentlich mit ganz eigenen Problemen zu kämpfen. Mit beginnender Alzheimer beginnt ihr Leben zu verschwimmen. Außerdem merkt sie, dass ihre Ehe ihr keine Sicherheit bietet.

Umso abstruser ist die Tatsache, dass sie von ihren ehemaligen Kollegen plötzlich zu einem dramatischen Fall gerufen wird.

Im Haus eines Geschäftsführers einer Modekette wird eine weibliche Leiche entdeckt. Die Leiche wurde enthauptet und der Kopf als Mahnmal mitten im Zimmer aufgestellt. Der Fall erinnert an einen ähnlichen Fall zehn Jahre zuvor, bei dem der Täter niemals gefunden wurde.

Für Hanne beginnt eine Ermittlung, die ihr an die Substanz geht. Nicht nur der Fall macht ihr zu schaffen. Zusätzlich muss sie aufpassen, dass ihre Krankheit nicht erkannt wird. Sie ist sich selbst unsicher, ob sie ihren eigenen Erinnerungen an den zurückliegenden Fall trauen kann. Außerdem sitzt im Ermittlerteam Peter. Der Kommissar, mit dem sie vor langer Zeit zusammen war.

Der Plot ist einzigartig und unglaublich spannend geschrieben. Man hat das Gefühl seinen eigenen Gedanken irgendwann nicht mehr trauen zu können. Nichts ist so, wie es zu sein scheint. Wer Opfer und wer Täter ist, steht noch lange nicht fest.

In diesem Buch kommt der schwedische Flair und die Eigenart der schwedischen Gesellschaft, das weiche Du in der Anrede sehr genau herüber.

Besonders toill finde ich auch die schriftstellerische Schreibkunst. Das Buch ist aus der Sicht von drei Hauptpersonen geschrieben, deren Kapitel sich abwechseln und die gemeinsam aus verschiedenen Perspektiven den Fall vorantreiben. Man hat das Gefühl sich in die Gedanken des Opfers hineinversetzen zu können.

Die verschiedenen Perspektiven handeln auch noch von verschiedenen Zeiten. Während Peter und Hanne die Zeit nach der Tat erzählen, blickt die Verkäuferin Emma auf die Wochen vor dem Mord zurück. Klingst sehr umständlich, ist im Buch aber perfekt gemacht und sehr verständlich.

Also ein Buch, das auf jeden Fall empfehlenswert ist.

ein toller Frauenroman für ein paar gemütliche Stunden: " Das Brombeerzimmer

Anne Töpfer: Das Brombeerzimmer

ISBN: 978-3-548-61317-8

           Nora Kluge ist noch keine 30 und schon verwitwet. Ihre große Liebe starb ein Jahr zuvor beim Joggen an einem Herzinfarkt. Seitdem ist nichts wie es mal war und das Leben scheint stillzustehen. Einzig und allein Marmelade kocht Nora noch und baut die befüllten Gläser zu einer Art Schrein im Arbeitszimmer ihres Mannes. Marmelade war ihre gemeinsame Leidenschaft.

Doch ein Jahr später findet sie genau dort zusammen mit ihrer Freundin Katharina einen Brief einer unbekannten Tante ihres Mannes.

Nach kurzem Zögern nimmt sie Kontakt mit diesem längst vergessenen Teil der Familie in der ostdeutschen Boddenlandschaft auf.

Dort findet sie sowohl eine Tante, ihres Mannes, die ihr selbst sehr ähnlich ist und eine neue Freundin und deckt ganz nebenher ein streng gehütetes Familiengeheimnis auf.

Der Roman "Brombeerzimmer" hat mir sehr gut gefallen. Er schleppt sich am Anfang ein wenig dahin, bis die Reise in die Boddenlandschaft endlich los geht und ein bisschen habe ich befürchtet, dass die Geschichte in Noras Trauer und Erinnerung unter geht. Doch dann "nimmt sie Fahrt" auf und entwickelt sich schnell zu einem unterhaltsamen leicht zu lesenden Roman, mit dem man gerne ein paar tolle Nachmittage im Liegestuhl verbringt.

Ganz besonders  an dem Buch sind die vielen alten Rezepte, mit denen es die Autorin bestückt hat und die an Omas Küche erinnern.

Was am Anfang ein bisschen flach und absehbar daher kommt, entpuppt sich am Ende ganz anders.

Einzig und allein der Lektor hat geschlampt, was ich persönlich immer sehr schade finde. Außer ein paar markanten Rechtschreibfehlern (So setzen sie sich dort auf die Coach:-) )  gibt es auch einen inhaltlichen Patzer. Auf Seite 26 haben sich Nora und Katharina im Deutsch Leistungskurs angefreundet. Also in der Oberstufe. Auf Seite 89 waren sie aber mit 13 oder 14 Jahren in der 8. Klasse gemeinsam mit Noras Eltern im Urlaub.

Ansonsten aber ein absolut schöner und lesenswerter Frauenroman für ein paar gemütliche Stunden.