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Achtung! Nichts für schwache Nerven!

Eine Rezension zu: Wolfswut von Andreas Gößling

           Bei dieser Rezension möchte ich ganz am Anfang vorwarnen. Dieser Thriller ist nichts für schwache Nerven. Die Morde sind bestialisch und werden auch sehr detailliert beschrieben. Grausam.

Wer aber damit umgehen kann, für den ist dieses Buch ein geniales Buch. Spannend, bis zum Umfallen. Ich habe einerseits oft überlegt, ob ich das Buch weg lege, weil es mir zu grausam ist, aber auf der anderen Seite konnte ich es gar nicht weg legen, weil es von Anfang an so spannend war.

Allein die Ausgangssituation ist auf der Gefühlsebene etwas ganz Besonderes. Stellt euch vor, euer liebender Vater stirbt viel zu früh an einer heimtückischen Krankheit und als ihr seine Hinterlassenschaften ordnet, findet ihr in einer alten Lagerhalle Fässer mit Leichenteilen. Langsam müsst ihr erkennen, dass euer Vater ein Serienmörder war.

Diese Ausgangssituation entspricht einem wahren Fall. Der Rest ist allerdings dazuerfunden und rein fiktiv. Das sympathische Ermittlerduo ermittelt am Rande der Legalität, denn ihnen ist sofort klar, dass es einen weiteren noch lebenden Täter geben muss. Und dieser hat bereits das nächste Opfer in den Fängen.

Für mich ist es bei einem Thriller immer wichtig, dass man sich in den Täter hineinversetzen kann. Vielleicht seine Psyche nicht verstehen, aber nachvollziehen kann, warum er mordet. Das wird hier super umgesetzt. Besonders der Schluss kommt überraschend, aber doch irgendwie nachvollziehbar.

Fazit: Ein grausamer Thriller für viele spannende Lesestunden.
       

ein unglaublich aufwühlendes Buch - Eine Rezension zu Der Serienkiller der keiner war

 Ich habe selten ein Buch gelesen, das mich so aufgewühlt hat und über das ich so viel nachgedacht habe. Der Journalist Dan Josefsson hat in seinem Buch einen der größten Justizskandale Schwedens aufgerollt.

 Dies ist eine Rezension zu: Der Serienkiller der keiner war, von Dan Josefsson

 ISBN: 978-3-442-71566-4

 Anfang der 90er Jahre gibt der drogenabhängige Sture Bergwall, der wegen kleineren Verbrechen in der Psychiatrie sitzt an, vor Jahren einen kleinen Jungen umgebracht zu haben. Nach und nach befördert er Erinnerungen zu bis zu 30 ungeklärten Verbrechen an die Oberfläche. Für acht wird er rechtskräftig verurteilt.

Erst viel später kommt heraus, dass er diese gar nicht begangen hat.

Dan Josefsson durchleuchtet, wie es dazu kommen konnte, dass sowohl Psychologen als auch Polizei einem Lügner geglaubt haben und warum Sture Berwall Verbrechen gestanden hat, die er nicht begangen hat.

Auf der einen Seite steht eine psychologische Theorie der 90er, die besagt, dass Erinnerungen zu Verbrechen und Missbräuche verdrängt werden und durch spezielle Therapieverfahren wieder an die Oberfläche geholt werden können. Diese Theorie stand und steht vielen Kritikern gegenüber, die in ihr die Gefahr sehen, dass falsche Erinnerungen ans Licht gebracht werden. Allerdings waren alle Therapeuten um Sture Bergwall herum von dieser Theorie überzeugt und haben keinerlei kritische Betrachtung zugelassen. Hinter dem allem stand eine Psychologin, die um sich herum sektenähnlich eine Gruppe erschaffen hatte, die diese Theorie vergöttert hat. So wurde auch der Justizapparat geblendet und hat in dieser Folge schlampig gearbeitet.

Auf der anderen Seite stand der kleinkriminelle und drogensüchtige Sture, der sein Leben an die Wand gefahren hatte und in der Psychiatrie selbst einen geschützten Raum hatte in dem er seine Drogen bequem als Medikamente bekam. Mit der Lüge seiner Verbrechen, bekommt er die Aufmerksamkeit, die er im wahren Leben nicht bekam.

Das Buch versucht recht neutral alle Aspekte aufzuzeigen. Dabei macht der Schriftsteller einen tiefen Ausflug in die Psycholgie und der damaligen Zeit.

Ich finde das Thema sehr spannend und gleichzeitig erschreckend. Allerdings weiß ich nicht, ob ich so ganz auf der Seite des Autors bin, der ja im Endeffekt eine ganze psychologische Denkensweise der 90er als falsch und lächerlich darstellt. Hier in diesem Fall war sie natürlich auf jeden Fall falsch und hat einen großen Schaden angerichtet, weil sie kritiklos angewandt wurde. Doch sind ja in dieser Zeit viele bedeutende Therapeuten in diese Richtung gegangen und ich weiß nicht, ob man eine ganze Bestrebung als vollkommen falsch hinstellen darf. Therapeuten als Täter und alle Patienten als Opfer?

Auf jeden Fall hat mich das Buch sehr zum nachdenken angeregt. Ich kann es auf jeden Fall weiterempfehlen.