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viel zu viel Sex und zu wenig Krimi - Rezension zu Demut von Mats Olson

ISBN: 978-3-442-71464-3

           Der Ex -ournalist  Harry Svensson ist auf der Suche nach sehr speziellem Sex. Doch die Frau, mit der er seine Spielchen treiben möchte, überlegt es sich in letzter Sekunde anders und befördert ihn samt Faustschlag aus ihrer Wohnung. Als Svensson mit gebrochener Nase in sein Hotel zurück kommt, findet er in seinem Nachbarzimmer, dem Zimmer eines Musikers, eine weibliche Leiche in dessen Bett. Der Musiker kann sich an nichts erinnern. Kurze Zeit später, wiederholt sich das Verbrechen mit einem Politiker als männlichem Protagonisten. Schnell drängt sich der Verdacht auf, dass jemand sowohl die Mordopfer, als auch die Männer, denen der Mord in die Schuhe geschoben werden soll bestrafen möchte.
Svensson begibt sich zusammen mit der schwedischen Polizistin Eva Mansson auf Spurensuche.

Was sich als ein toller, spannender Plot anhört, hat sich für mich leider bald als Flop herausgestellt.
Ich habe selten ein Buch gelesen, das so langweilig und unattraktiv geschrieben wurde.
Für meinen Geschmack hat es der Schriftsteller immer wieder geschafft seinem eigenen Spannungsbogen im Weg zu stehen und ich verstehe die himmelhochjauchzenden Zitate, mit denen der Cover Einband geschmückt ist überhaupt nicht.

Der Protagonist erzählt viel zu viel Dinge über sich selbst und über sein Leben, die erstmal unheimlich langweilig daher kommen. Klar, im Endeffekt spielt er eine Rolle in dem Fall und seine Leidenschaft und seine Vergangenheit sind hierfür wichtig, aber bis ca Seite 200 nehmen diese Überlegungen jedesmal, wenn endlich der Plot etwas an Fahrt aufnimmt, sofort das Tempo wieder heraus.  Ich bin ganz ehrlich,  hätte ich das Buch nicht als Rezensionsbuch gelesen, wäre ich nicht über Seite 100 hinaus gekommen und hätte es weg gelegt. Viel zu viele Handlungseinschübe haben nichts mit dem Roman zu tun und kommen als Lückenfüller daher.

Zum Beispiel die Überlegung in einem britischen Pub, wie die Engländer früher aussahen oder heute aussehen. Oder, dass, als Svensson bei einem Meeting in der Redaktion teilnimmt, jedes andere Teilnehmende Mitglied bis ins kleinste Detail beschrieben wird, später aber nichts mehr zur Sachen tut.

Auch Svenssons ständige Gedanken an Sex sind nervig. Muss man sich, wenn man mit der Komissarin telefoniert und eine Neuigkeit über den Fall bespricht überlegen, wie sie gerade aus der Dusche kommend, nackt auf dem Teppichboden steht? Für mich sind das alles Spannungsbogen-Bremsen.

Außerdem finde ich, dass viele Dinge einfach unglaubwürdig sind. Svensson rutscht sozusagen in den ersten Fall hinein und fängt dann aus schriftstellerischer Neugier an zu recherchieren. Er wird von der Kommissarin verhört und telefoniert dann, um ihr Neuigkeiten zu erzählen. Unglaubwürdig und zusammengeschustert wirkt es für mich, wenn die Kommissarin ab sofort allzeit für ihn bereit ist, einer Einladung von ihm folgt, die Neuigkeiten ständig mit ihm beim Essen bespricht und ihm bereitwillig geheimste Internas erzählt.
Sehr unlogisch fand ich auch: Das zweite Mordopfer war die Dame, mit der sich Svensson im ersten Kapitel zum Sex treffen wollte und die ihn dann mit einem Kinnhaken abserviert hat. Svensson und die Weinhändlerin hatten sich zuvor bei einer Weinprobe kennen gelernt und monatelang e-mail Kontakt gehabt, allerdings findet das niemand der Polizei heraus und Svensson verrät nicht, dass er die Frau kannte. Oooookay, zwar ist der Computer weg,.... aber entschudligung, kann man heute keinen E-mail Verkehr rekonstruieren?

Und ganz gruselig und schlecht recherchiert fand ich den zweiten Mord selbst. Angeblich kam man beim Mordopfer darauf, dass der Mörder SM Praktiken vollzogen hat, weil angeblich der Hintern des Opfers durch Schläge "knallrot" und geschwollen war. Naja der Mörder hatte ihr mit einer Haarbürste Schläge verabreicht und sie im Anschluss sofort erdrosselt. Ich glaube man muss kein Forensiker sein, um zu wissen, dass "knallrot" dann entsteht wenn die Haut durchblutet ist. Das ist bei Leichen allerdings relativ selten der Fall. Und eine Schwellung entsteht erst langsam nach einer Gewalteinwirkung, aber nicht, wenn jemand geschlagen und dann sofort ermordet wird.

Der Krimi wird als typischer Schwedenkrimi gelobt. Das war er für mich überhaupt nicht. Ein Schwedenkrimi zeigt für mich die Schönheit des Landes, auch wenn er seine Rauhheit und Unwirtlichkeit aufzeigt. Dieser Krimi schreibt aber fast nur negativ darüber. Auch der Flair der schwedischen Bevölkerung kommt für mich gar nicht herüber.

Sorry, ich schreibe selten schlechte Rezensionen, aber dieses Buch hat mich leider nicht überzeugt.
       

Ein spannender Schwedenkrimi. Das Verbrechen könnte bereits stattgefunden haben

Cilla und Rolf Börjlind: Schlaflied

ISBN: 978-3-442-75716-9

           Olivia Rönning und  Tom Stilton ermitteln in ihrem neuen Fall in den untersten und ärmsten Gesellschaftsschichten unter Minderjährigen, die im Leben keine Chance haben.

Schweden wird von einer Flüchtlingswelle überrollt. Am Hauptbahnhof herrscht Chaos und viele unbegleitete Minderjährige suchen nach Schutz.

Dann wird die Leiche eines Jungen in den schwedischen Wäldern gefunden. Die Spuren führen in den Untergrund von Bukarest, in dem tausende von Waisen in der Kanalisation dahinvegetieren und im Drogenrausch Zuflucht suchen.

Mich hat der Krimi von der ersten bis zur letzten Seite schwer beeindruckt. Was für Abgründe sich in unserer Welt auftun und das Schlimmste ist, dass das ganze irgendwie real sein kann oder wahrscheinlich auch so ist. Das Verbrechen könnte bereits stattgefunden haben.

Die Ermittler sind irgendwie anders als die typischen Krimiermittler. Olivia Rönning, eine alleinstehende junge Frau, die nach ihrer Polizeiarbeit als freiwillige auf dem Hauptbahnhof hilft und Tom Stilton, der lange Zeit auf der Straße gelebt hat und nun wieder in die Normalität einsteigt.

Beide sind mir sehr sympathisch. Überhaupt finde ich die Charaktere sehr gut herausgearbeitet und auch die Opfer wachsen einem ans Herz. "Schlaflied" zeigt so viel Gefühle in Zeiten des Verbrechens. Und das obwohl es ohne den " Auf welche abscheulichtsten Arten kann man morden" Effekt auskommt.

Was mir auch sehr gut gefallen hat ist, dass es einen Schluss hat, der noch etwas weiter geht als bis zur Aufklärung des Verbrechens. Man erfährt noch etwas darüber, welche Auswirkungen das Verbrechen auf die verschiedenen Protagonisten hatte. Allein der letzte Abschnitt lässt auf etwas schließen, was man wahrscheinlich gar nicht mehr auf dem Schirm hatte.

"Schlaflied" ist bereits der vierte Fall des schwedischen Autorenteams. Es war mein erster, den ich von Cilla und Rolf Börjlind gelesen habe. Man braucht etwas, um die verschiedenen Strukturen zusammen zu bringen. Ich hatte etwas Probleme zu erkennen wer in dem Ermittlerteam die Hauptfiguren sind. Außerdem gibt es am Anfang einige erstmal unzusammenhängende Strukturen. Dennoch ist der Krimi von der ersten Seite an sehr spannend und das macht überhaupt nichts aus.

Fazit: Es war mein erster Krimi, den ich von der Reihe gelesen habe, aber es wird mit Sicherheit nicht mein letzter bleiben.