Autorenseite/Buchvorstellung/Rezensionen

Bernhard Aichner: Interview mit einem Mörder / psychopatisch genial

ISBN: 9-7837099-7133-8 , 19,90 €

Max Broll ist eigentlich nur ein stinknormaler Friedhofsgärtner und stolz darauf seine Gräber mit der Hand auszuschaufeln.
In diesem Band wird Max Brolls Freund angeschossen. Der ehemalige Fußballprofi und Spielsüchtige Johann Baroni war gerade dabei einen Wurststand zu eröffnen. Doch wer war der Täter? Während die Polizei im Dunkeln tappt und Baroni im Koma liegt, meint Max Broll in einem Touristen den Mörder erkannt zu haben. Doch niemand glaubt ihm. Deshalb verfolgt er den Mörder und eine psychopatische Reise beginnt. Systematisch manipoliert der Mörder Brolls Umfeld und mordet weiter vor sich hin.

Das Buch ist anders als ich es erwartet habe und hat eine ganz eigene Art. Der etwas verschrobene Friedhofsgärtner Max Broll, dessen Freund Baroni, ein Pfarrer, der im kirchlichen Garten Gras anbaut und gar nicht so heimlich kifft und eine Sauna im Friedhofsgarten.

Die Geschichte beginnt skuril. Besonders weil der Schütze, den Max Broll eindeutig erkannt haben will, laut der Polizei nur ein harmloser Urlauber sein soll.
Max Broll heftet sich an seine Fersen. Das aber getreu dieses Buches nicht heimlich und undercover, sondern ganz offiziell als dessen Reisebegleitung. Das Erzähltempo ist hoch und sehr spannend.
Der Erzähstil mit seinen Dialogen ohne wörtliche Rede in abgehakten Sätzen und durch Bindestriche gekennzeichnet ist sehr speziell. Ich glaube, das muss man mögen oder man mag es nicht.

Beim Lesen schwankte ich zwischen: "ein sehr seltsamer, zum Teil sehr surreal wirkender Krimi" und "boah genial". Er ist auf jeden Fall anders als normal. Die poetisch anmutende Schreibweise erinnert zum Teil an einen Traum, oder hier vielleicht besser Alptraum. vom Plot her, der durch einen Täter bestimmt wird, der so nebenbei mordet, dass die Polizei ihn absolut nicht verdächtigt, finde ich den Roman genial.

Teilweise kam es mir ein bisschen so vor, als läge Max im Fieberwahn und würde am Ende selbst irgendwo im Krankenhaus aufwachen. Oder er wäre angeschossen worden und das alles sind schmerzmittelbedingte Phantasien im Koma.

Ich war lange skeptisch, aber nachdem ich mich auf den Schreibstil einlassen konnte, fand ich das Buch verdammt gut.Teilweise kam ich selbst ins Zweifeln, was wahr ist und was Fiktion. Die Gedankengänge sind gut dargelegt und man hat den Eindruck alles könnte passieren. Auch wenn es bei Max gerade gut läuft, spürt man praktisch das nächste drohende Unheil...

Fazit: Was für ein krankes Buch. Was für eine psychotische Story. Aber gut! Sehr gut!

Den einen Punkt abzug gibt es lediglich dafür, dass man anhand des Klappentextes nicht erkennen kann, dass der Schreibstil eher poetisch ist , es also irgendwie ein komplett anderer Krimi als andere Krimis ist. Ich befürchte fast, dem typischen Krimileser, könnte dann andere Erwartungen an das Buch gehabt haben.
Kommentar

8.8.16 19:16

Letzte Einträge: Auf der Spur des Goldes - Eine Rezension zu Matthias Boll: Das Jahr mit den zwei Sommern, Ein spannender Grauner Krimi - Eine Rezension zu Nachts am Brenner, Der Tote im Fließ - Rezension, Ein toller Weihnachtskrimi im Miss Marple Stil - eine Rezension, Eine Liebe zwischen der Realität der rauen schottischen Inselwelt und ihrer Mystik, ein unglaublich aufwühlendes Buch - Eine Rezension zu Der Serienkiller der keiner war

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL