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Susan Pásztor:Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster

          Auf dieses Buch und natürlich auch auf die Rezension habe ich mich aus persönlichen Gründen ganz besonders gefreut. Fred ist alleinerziehender Vater und seit neuestem ausgebildeter Sterbebegleiter. Sein erster "Fall" führt ihn zu der extravaganten 60-jährigen Karla mit Bauchspeicheldrüsenkrebs im Endstadium. Während sich Karla eigentlich noch unschlüssig ist, ob sie überhaupt einen Sterbebegleiter haben möchte, versucht Fred all das, was er in seiner Ausbildung gelernt hat umzusetzen, was oft etwas steif zum Misserfolg führt. Zum Glück gibt es da noch Freds introvertierten 13-jährigen Sohn Phil, der eigentlich am liebsten zu Hause bei seinen Büchern ist, aber dennoch einen Nebenjob bei Klara annimmt, bei dem er die Bilder ihres Lebens digitalisiert. Während Fred sich schwer damit tut einen Zugang zu Klara zu finden, befindet sich Phil schnell auf gleicher Wellenlänge mit ihr. Durch gemeinsames Schweigen lernen sie Respekt voreinander und Zuneigung  zueinander.

Wer hier eine weitere hollywoodreife Story wittert, in der die Protagonisten sich erst hassen, dann lieben, bis einer am Ende stirbt, hat das Buch unterschätzt.

Die Autorin Susann Pásztor begleitet selbst seit über zehn Jahren in den Tod und hat mit ihrem Roman ein Werk geschaffen, das das Sterben und die eigene Auseinandersetzung mit  dem Tod hinterfragt.

Sie schafft es einen kritischen Blick auf die Eigenreflexion des Begleiters zu werfen (Warum möchte man das Beste für seinen "Klienten"? Weil man das Beste für ihn möchte, oder weil man meint dass es das Beste ist? Beweihräuchert man sich mit manchen Heldentanten nicht selbst?)
und stellt über ihre Protagonisten eine Dreierbeziehung her, die durch gemeinsames Schweigen und das ein oder andere ruppige Wort so viel Ehrlichkeit und Gefühl zwischen den Menschen vermittelt, wie es kaum ein Roman schafft.

Es ist ein Roman und kein Sachbuch, aber man spürt auf jeder Seite das Hintergrundwissen, das die Autorin besitzt.

Ich finde das Buch unheimlich gelungen und würde es gar als Pflichtlektüre für jede Ehrenamtsausbildung im Hospizbereich empfehlen. Trotzdem kommen der Humor und auch das Lesevergnügen der reinen Romanleser nicht zu kurz.
       

17.2.17 18:09

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