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Die Hummerkönige: Tolles Thema, leider schleppend umgesetz

          Manche Familiengeheimnisse verrät man nicht. Die Kings haben auf der Insel Loosewood Island eine Unternehmensdynastie im Hummerfang. Bereits ihre Vorfahren betrieben dort den Hummerfang. Nun ist die Tochter Cordelia dabei die Geschäfte ihres Vaters zu übernehmen. Dieser hat sich eigentlich einen Sohn gewünscht, der in seine Fußstapfen tritt, doch nach einer Legende nimmt sich das Meer aus jeder Familiengeneration der Kings einen Sohn. Und so starb auch Cordelias Bruder auf dem Meer.

Während das harte Hummerfanggeschäft auf der Insel seine schwachen Erträge einfährt, droht Gefahr vom Festland in Form anderer Hummerfänger, die das Gebiet übernehmen wollen.

Das Buch beginnt mit einer Vermischung aus Gegenwart und Vergangenheit, bei der man nicht immer weiß, was Realität war und was einer Legende entsprungen ist. Sehr schön werden die rauhen Begebenheiten auf der Insel erzählt und am Anfang war mir persönlich sogar etwas zu viel Seelenschmerz in der Familiengeschichte. Ein Sohn, der auf dem Meer stirbt, eine Mutter, die ins Wasser geht und ein Hund, der einfach so erschossen wird.

Danach flaut die Erzählspannung aber merklich ab und es wird einfach eine dahinplätschernde Familiengeschichte erzählt.  Normalerweise taucht man bei Familiengeschichten ja in der Vergangenheit mit ein und empfindet sie wie die Gegenwart. Hier werden zwar Episoden aus der Vergangenheit erzählt, aber man hat das Gefühl, dass etwas Vergangenes erzählt wird. Das hat mich leider nicht richtig gepackt.

Auch wurde ich mit den Protagonisten nicht warm und konnte ihre Handlungsweisen nicht nachvollziehen. Dass ein Familienvater verzweifelt ist, wenn sein Sohn stirbt, klar. Aber dass er dann am Tag der Beerdigung den Familienhund im Meer erschießt und ertrinken lässt, weil der Sohn über diesen gestolpert ist und das unter den Augen seiner Tochter, konnte ich nicht nachvollziehen. Zumindest konnte ich dann im weiteren Verlauf der Geschichte in diesem Mann keinen tollen Familienoberhaupt sehen, den man bewundert.
Auch eine Vierfachmutter, die nach dem Tod ihres Sohnes einen Selbstmord begeht und drei kleine Kinder zurück lässt, ist für mich keine Protagonistin, der ich nachempfinden kann.

Und zu guter letzt fand ich einfach die Hauptperson Cordelia eine sehr von ihrem Leid überzeugte Person, die nie damit fertig wurde, dass sie nicht der Sohn war, den man von Anfang an auf dem Schiff haben wollte. Dabei waren für micht die Auslöser, die sie das immer wieder in großer Tragik haben erwähnen lassen für mich als Leser Kinkerlitzchen und ich hätte ihr gerne mal gesagt, dass sie doch die alten Kamellen sein lassen soll und sich auf ihr jetziges Leben konzentrieren soll.
Da ist sie eifersüchtig auf die Freundin ihrer Schwester, die auf dem Boot ihres Vaters anfängt und generell eifersüchtig, dass die Schwester zurück auf die Insel kommt. Auf ihre andere Schwester ist sie natürlich auch  eiferüchtig und auf ihren Bootsmann, der in seiner Verzweiflung die Insel verlässt. da seine Frau fremd geht, ist sie sauer, weil sie sich heimlich in ihn verliebt hatte und er nicht bleibt.
Bei der einen Schwester findet sie eine Kette ihrer Mutter, die diese nach deren Tod an sich genommen hatte und macht ein riesen Drama. Nur habe ich nicht verstanden, warum ausgerechnet Cordelia diese Kette hätte haben müssen. Ich hatte beim Lesen das Gefühl , dass Cordelia eine sehr narzistische, egoistische Person ist, die nur an sich denkt. Auch ihre Schwestern haben doch unter dem Familiendrama gelitten.

Schade, nach der Leseprobe hätte ich mir von dem Roman mehr erwartet. Mehr Spannung, mehr Familiengeheimnis, mehr Inselfeeling und authentischere Protagonisten.

 Eine Rezension über :

Alexi Zentner: Die Hummerkönige   , ISBN: 978-3-442-71544-2   

8.6.17 17:02

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