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Sven Stricker: Sörensen hat Angst / Ein knallharter Krimi mit staubtrockenem Humor

ISBN:  978-3499271182, 9,99€

Ein toller Krimi über die rauhe ostfriesische Landschaft und die Geheimnisse mancher noch so idyllisch erscheinender Ortschaften.

Kommissar Sörensen hat eine generalisierte Angststörung und möchte eigentlich in die Abgeschiedenheit an der ostfriesischen Nordseeküste fliehen. Doch das klappt nicht, denn schon am ersten Tag gibt es einen Mord. Eigentlich ist Sörensen in seinem Versuch seine Krankheit zu verbergen ja ein ausgesprochener Stinkstiefel. Aber ein Stinkstiefel mit einer liebenswerten Art und einem unglaublich trockenen Humor. Manchmal war ich mir beim Lesen der Dialoge nicht sicher, ob er das Gesagte nun ernst oder ironisch gemeint hat. Ob er sein Gegenüber veräppeln will oder nicht. Aber ich glaube, mir ging es wie seiner Kollegin Jennifer, irgendwie mag man ihn.

Ich bin von den ersten Seiten an sehr gut in den Krimi reingekommen. Ich glaube es gibt zwei Sorten Krimileser. Die einen möchten keine große Geschichten um die Kriminalisten und die anderen mögen gerade die Geschichten um die ermittelnden Protagonisten. Dieser Krimi ist definitiv etwas für letztere Lesergruppe.

Besonders gut finde ich wie die Angststörung mit in die Geschichte einfließt. Wenn man etwas von dem Thema versteht, fühlt man, dass der Autor darin sehr viel Erfahrung hat. Zeitweise meint man Sörensens Angst spüren zu können. Sein krampfhaftes Bemühen Schritt für Schritt den Alltag zu bewältigen, nach außen hin normal zu erscheinen, während tief in ihm drinnen ein Sturm tobt. Auch die Medikamentation ist durchdacht und nicht wie in vielen Büchern als "er warf sich eine weitere Tablette ein" " oder "er nahm ein weiteres freiverkäufliches Schmerzmittel aus der Apotheke und fühlte sich benommen" beschrieben.

Desweiteren finde ich die Beschreibung des stürmischen, völlig verregneten Katenbüll, in dem der Krimi handelt, sehr treffend. Jeder , der schonmal das ostfriesische Schietwetter mitgemacht hat, erkennt es wieder.

Der dörfliche Charakter der Gemeinde Katenbüll wurde treffend herausgearbeitet. "Jeder kennt jeden". Und da die meisten Bewohner auch Sörensens Mitarbeiter bereits aus dem Kindergarten kennen, muss man seinen Job tun, meint seinen Gegenüber aber trotzdem in und auswendig zu kennen, Was eine Suche nach dem Mörder und eine objektive Täterbeurteilung immens erschwert.

Der Fall nimmt schnell an Fahrt auf. Und plötzlich gibt es ganz schön viele Fälle und Ereignisse. Und ganz im dörflichen Charakter und "jeder kennt jeden Stil" ist irgendwie alles miteinander verstrickt und verbunden und das sehr gut gemacht. Es wirkt so, als wäre das die einzig logische Entwicklung und wirkt auf keinen Fall konstruiert. Ich hatte am Anfang etwas die Befürchtung, dass die Tiefe des Falls hinter der Geschichte von Sörensen steht und durch die Ironie und den trockenen Humor zu kurz kommt. Aber keine Gefahr. Die Gründe für den Mord entwickeln sich als schreckliches Geheimnis des Ortes. Von jedem totgeschwiegen und zu Lasten der tatsächlichen Opfer, die sich über Jahre hinaus nicht wehren konnten.

Sörensen gefällt mir immer besser. So langsam entwickeln sich zarte freundschaftliche Beziehungen zwischen ihm und seinen Kollegen und irgendwie ist jeder auf seiner Art liebenswürdig.

Man merkt auch, wie gut die konsequente Arbeit Sörensens Angststörung tut und wie er in dem Fall aufgeht und vom Gesundheitsopfer immer mehr zum kompetenten Kriminalhauptkommissar wird.

Am Ende des Buches war ich erstmal geschafft. Was zuerst den Eindruck eines humorvollen seichten Krimis gemacht hat, hat sich nun als knallhartes Psychogramm eines Ostfriesendorfes entwickelt, in dem jeder einfach mal weggeschaut hat und in dem jahrelang eines der schlimmsten Vetbrechen geschehen konnte.

 

 

10.2.16 16:50

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