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Elizabeth Horn: Ziemlich schwerwiegend / ein Frauenroman über gewichtige Probleme

ISBN: 978-1503937048, 9,99€

Clara hat ein schwerwiegendes Problem. Trotz zahlreicher Diäten nimmt sie nicht ab. Dazu plagen sie Selbstzweifel und ein vermindertes Selbstbewusstsein. Da kann auch ihre beste Freundin "Möhrchen", mit ihrer immer frech-frischen Art nichts dagegen tun. Eigentlich hat Clara sogar zwei Probleme, denn verheiratet ist sie mit einem Ehemann, dem seine Karriere und sein eigener Ego wichtiger sind, als Claras Sehnsüchte und Wünsche. 

Da trifft es sich gut, dass sie durch Zufall den Opernfan und Konditormeister Carl kennen lernt, der ihr eine Schulter zum Anlehnen gibt und ihr zeigt, was Freundschaft bedeutet. 

Der Roman beginnt in einem flüssigen und heiteren Erzählstil und bereits nach den ersten paar Seiten hat man Klara und vor allem ihre Freundin "Möhrchen" lieb gewonnen und kann sich mit ihren Gewichtsproblemen identifizieren.

Besonders der Wortwitz zwischen Clara und "Möhrchen" hat mir gefallen. Das erste kennenlernen mit Carl und seiner Familie und das erkennen, dass sich Clara in der Welt in der sie lebt, eigentlich nicht wohl fühlt, nehmen einen in den Bann der Geschichte. 

Dann verliert das Buch allerdings im Mittelteil am roten Spannungsfaden. Für mich gibt es viel zu viele Nebenstränge, die eher dazu dienen das Buch dicker zu machen als den Plot voranzutreiben. Im Endeffekt ist es immer das Gleiche: ein schönes Erlebnis mit Carl, die Ernüchterung mit Sebastian, Claras Ehemann, der leider sehr eindimensional als "hochnäsiger, gefühlskalter Schnösel" dargestellt wird. 

Neben diesem Hauptstrang, der das Beziehungsgeflecht zwischen Clara und Carl ausmacht, schweift der Roman immer wieder ab. "Möhrchen" lernt einen Betrüger kennen und Enzo, ein Freund von Carl verliebt  sich in eine Gastronomiekollegin, "Möhrchen" später dann in ihren Großhändler. Auch Episoden, in denen sich Carla mit "Möhrchen" und Carl mit Enzo über die jeweiligen Beziehungsprobleme unterhalten treiben den Hauptstrang leider nicht voran, sondern drehen sich hauptsächlich um die Belange von Enzo und Marion. So dümpelt der Hauptstrang leider ein bisschen vor sich hin.


In diesem Teil, verlieren die Figuren, die am Anfang so herzlich ausgearbeitet sind und so lebendig daher kommen viel Charme, weil sie immer klischeehafter werden. Meiner Meinung nach hatte die Autorin  da im Kopf, wie die Figuren sein sollen und beschreibt zu viel. Gerade eine Geschichte lebt doch von dem nicht Gesagten. Von dem, was zwischen den Zeilen steht und knistert und nicht vom lieben Carl, der so oft sagt was er alles für Clara tun würde und von Sebastian, der mit jedem Wort nochmal beschreibt was für ein Egoist und kalter Geschäftsmann er ist .


Für mich waren die Figuren hier leider zu platt. Der Handlungsstrang zu konstruiert.

Clara verbringt tolle Stunden mit Carl, kommt nach Hause und wird dort von ihrem Ehemann nicht ernst genommen. Hat wieder einen schönen Tag mit Carl, kommt wieder nach Hause und wird wieder von ihrem Ehemann enttäuscht und so weiter. Sehr geradlinig. Es gibt kein Zögern von Carla, ob es richtig ist was sie tut. Kein Zweifeln, ob ihre Freundschaft zu Carl wirklich nur Freundschaft ist. Kein Hinweis, dass sie irgendwas jemals an Sebastian gefunden hat. Sebastian ist ein selbstbewusster  Egoist, aber das Buch hätte so viel an Spannung gewonnen , wenn auch er autentischer herübergekommen wäre. Denn auch er muss zumindest mal was an Clara gefunden haben. Auch er muss eigentlich ja Gründe gehabt haben, Clara zumindest als Ehefrau weiter behalten zu wollen. Das wären für mich alles Aspekte gewesen, die das Buch tiefgreifender gemacht hätten, was auch in einem guten Frauenroman erlaubt ist. Hätte Sebastian nicht irgendwann mal merken können, dass sich Carla verändert? Hätte er nicht mal bedenken haben können, dass sie sich abwendet und versuchen können sie zurückzugewinnen? Und Carla dadurch in eine Zwickmühle bringen können, so dass sie sch tatsächlich entscheiden muss?

Das Ende ist dann wieder genretypisch und viel besser als der Mittelteil, es gibt einen Showdown. Hier nimmt die Handlung an Fahrt auf und es wird wieder spannender. Allerdings ist mit persönlich dieser Teil etwas zu kurz..... Etwas zu leidenschaftslos.

Den Epilog finde ich ganz gut.. etwas schnulzig , aber völlig okay für einen Frauenroman. Ich finde es auch gut, dass er so viel Zeit verstreichen lässt und dann sozusagen Resumee zieht.

 

Fazit: Ein Frauenroman zum Einkuscheln aufs Sofa und einer guten Schokoladen nebendran. Allerdings verbesserungswürdig und ein bisschen zu oberflächlich. Was aber sehr gut rüberkommt sind der Wortwitz zwischen Carla und ihrer Freundin "Möhrchen", was einen oft schmunzeln lässt. Deshalb von mir: drei von fünf Punkten.


25.5.16 19:01

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