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Klaus-Peter Wolf: Ostfriesenangst / Ann Kathrin Klaasens sechster Fall

ISBN: 978-3-596-19041-6

 Ann Kathrin Klaasens sechster Fall beginnt mit einer Schulklasse, deren Lehrer durch Selbstüberschätzung nicht nur seine Schüler in Gefahr gebracht hat. Mit letzten Kräften kehren die Schüler von einem Wattausflug an Land zurück. Ihren Lehrer, der unbedingt übers Watt nach Norderney laufen wollte, haben sie im Watt verloren. Alle vermuten, dass dieser ertrunken ist. Doch wer ist dann der Tote, der mit einer Schussverletzung an Land gespült wurde? Der Lehrer jedenfalls nicht. Und was ist im Watt da draußen tatsächlich passiert? Ist der Lehrer, der dann später doch noch ertrunken aufgefunden wird, nur an seiner Selbstüberschätzung gestorben oder haben sich die Schüler einer unterlassenen Hilfeleistung strafbar gemacht?

Schnell wird der Schüler Sascha verdächtigt, der eigentlich gar nicht bei der Klassenfahrt hätte dabei sein dürfen. Doch Sascha türmt zusammen mit seiner Freundin Laura. Zuvor verletzt er bei seiner Flucht  Ann Kathrin Klassens Freund, Frank Weller, schwer, als dieser von einem Baugerüst stürzt.

Ann Kathrin Klaasen hat in Ostfriesenangst nicht nur einen Fall zu lösen. Ganz unmerklich verweben sich zwei sehr unterschiedliche Verbrechen zu einem Strang. Der Tote mit Kopfschuss entpuppt sich als Sonderermittler, der zusammen mit vier anderen Sicherheitsbeamten den Straftäter Eichinger hätte bewachen müssen, der auf richterlichen Beschluss aus der Sicherheitsverwahrung entlassen wurde. Doch Eichinger entkam und ist ebenso auf der Flucht wie Sascha.

Ganz Ostfriesland steht plötzlich Kopf und die Leute sehen in jedem Feriengast das Gesicht des Schwerverbrechers.

Auch dieser Band hat mich gefesselt. Der Autor Klaus-Peter Wolf hat eine ganz eigene Art seine Texte zu schreiben. Mit dazu gehört auch der Identifikationsgrad. Man kann die Örtlichkeiten an der Küste quasi vor sich sehen. Genau so gibt es den Marzipan bei Ten cate, das Cafe "Aggi Huus", das Ostfriesland Magazin und sogar den Chefredakteur Holger Bloem. In diesem Fall fand ich es besonders nett gemacht, dass ein Opfer, kurz bevor es zum Opfer wurde in einem vorangegangen Band der Ostfriesen Krimiserie gelesen hat.

Die Figuren in der Serie bleiben ihrer Rolle treu. So ist Rupert der ewig sexgeile Polizist, der immer in die völlig falsche Richtung ermittelt und der Polizeichef Ubbo Heide der leicht hypochondrische Mann, dem eigentlich alles über den Kopf wächst. Ich finde das eigentlich sehr gut, doch manchmal bewegt sich der Schriftsteller am Rand der Nervigkeit. Zum Beispiel wenn Ubbo Heide auf jeder dritten Seite einen Marzipanseehund aus seiner Tasche holt, den er verspeist. Oder wenn ständig erwähnt wird, dass ein Seehundklingelton ertönt wenn jemand Ann Kathrin Klaasen anruft. Manche Charaktere sind für mich bis ans letzte Ende ausgereizt und so langsam erwartet man da eine Wendung. Zum Beispiel könnten Ann Kathrin und ihr Sohn so langsam aber sicher mal zusammen finden. Die Rolle der Mutter, die sich nicht um ihren Sohn kümmern kann und der Sohn, der ihr das krumm nimmt, haben die beiden inzwischen ausgereizt. Ich hätte es gerade in diesem Band zum Beispiel gut gefunden, wenn er sie tatsächlich durch irgendwelche widrigen Umständen beim Einsatz begleitet hätte oder wenn er unbewusst zur Lösung beigetragen hätte.

Auch die Rolle des Rupert bewegt sich schon sehr am stilistischen Abgrund. Man muss sich immer wieder fragen, was so ein Mensch bei der Polizei macht und warum den einfach noch niemand entlassen hat. Bis jetzt hat er doch immer alles total falsch gemacht und hat sich Patzer erlaubt, die man eigentlich nicht dulden kann.

Insgesamt bleibt das aber alles auf so seinem Grad, dass man es aufgrund der spannenden Geschichte "überlesen" kann.

Was ich in diesem Teil besonders gut fand, war die Figur des Eichingers, einem psychopathischen Gewaltverbrecher. Man hatte am Anfang ein bisschen den Eindruck eines gestörten Riesenbabys, der seine Taten in seiner Verrücktheit getan hat. Während des Teils, wird Eichinger dann aber immer mehr zu einem ernst zu nehmenden gewalttätigen Menschen, der gezielt handelt. Am Anfang war das für mich ein Widerspruch. Doch dann sind seine psychopathische Welt mit seinem normalen Handeln so verschwommen, dass man das Gefühl hatte: klar nur so ein Mensche kann zum Serienmörder werden.

Nun freue ich mich auf den siebten Band.

31.7.16 15:36

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